Zeitungsartikel aus DE

…Der Fünfer aus dem Voralpenland versucht jedenfalls auf seinem Erstlingswerk eine etwas andere Annäherung an die Volksmusik: weniger exotisch als die Herrschaften von Haindling, weniger abgedreht als Attwenger, weniger subtil als die grandiosen Broadlahn. Was dabei herauskommt, klingt gelungen…. Die Hundsbuam schaffen immer wieder spannend-sperrige Spektakel samt trocken-bissiger Text-Bilder…
musikexpress, 5/96

Heavy-Folk der neobayrischen Art …Dabei widmet sich das Quintett vor allem der etwas ruppigeren Variante heimischer Klänge: Neben eigenen Kreationen haben die Hundsbuam auch eifrig in den Archiven gekramt und Pretiosen ausgegraben, um neue Strophen erweitert und als Rap ein zeitgenössisches Gewand verpasst. Erstaunlicherweise hört sich da nichts gezwungen an. Bayerisch lässt sich’s prima rappen… Die Musik der Hundsbuam kommt alles andere als einfältig und vor allem nicht vorhersehbar daher…
(Helmut Pusch) Südwestpresse, 9.5.96

…Ungeachtet der Tatsache, dass bezüglich der Aufmöbelung älplerischer Weisen durch unfromme Musikanten in jüngster Zeit einiges passiert ist, möchte man juchzen vor Freude über das Werk: ein Schmuckstück komma köstliches… Die Hundsbuam sind beileibe keine Nachahmer, sondern Neu-Empfinder und Erfinder der Radikalen Alpinen Poesie, was in Versalien Rap ergibt….
(Karl Forster) Süddeutsche Zeitung, 21.2.96

Der nackte Wahnsinn aus Bayern Alpen-Punk? Bayern-Trash? Volks-Grunge? Für die Musik der Band Hundsbuam Miserablige gibt es noch kein Etikett. Auf jeden Fall macht es Spaß mitanzuhören, wie auf E-Gitarren, Mundharmonikas, Tubas, Ziehharmonikas, Posaunen, Blockflöten und Sensen (!) Volksmusik mit wildem Rock und deftiger Alpen-Poesie gemischt wird… Ihre erste CD heißt schlicht „Hundsbuam Miserablige“ und gefiel mir umwerfend gut.
(Kester Schlenz) Brigitte, 10/96

Ihr Bayernpunk ist ohne Kompromisse. Da hören sich manche frühe Lieder des Goiserers wie Gute Nacht Ständchen an. Die Hundsbuam bringen volksmusikalischen Hardcore….
(Martin Sticker) Salzburger Nachrichten, 12.4.96

Fünf Wilde, die alles in Stücke hauen…“Musikanten wie die Hundsbuam schielen eben nicht nach dem Heidschibumbeidschi-Sound, sondern suchen ihre Grenze. Und die findet man nur, wenn man sie überschreitet.“…
(Karl Forster) Süddeutsche Zeitung, 5.11.96

…die Hundsbaum sind wieder da … immer noch mit umwerfender Spielwucht.
Das muss man erst mal schaffen: Mit zwei Diatonischen, einem Bariton und einer Tuba einen Reggae hinzubekommen, dass die Sonne scheint. Die Hundsbaum können alles, sie swingen, sie rocken, sie schütten die Ohren zu mit gutem weil organisierten Lärm; sie sind eine Band, die in ihren
besten Momenten das Publikum, das ganze, packt und mitnimmt auf ihren Trip.
… Dann spielen sie “Almdudler”, und dieses Lied ist der definitive Beweis, dass Musik glücklich machen kann. Wie überhaupt die gesamt Hundsbuam-Musik wie eine große Wohlfühl-Maschine daherkommt, gelegentlich sentimental, aber nie kitschig, manchmal saukomisch aber nie blöd, meistens grob, aber nie ordinär. … Das ist, alles in allem, aufwühlend, zu Herzen gehend, großartig. Stefan Handel/SZ03-03

Volk und Musik – Die bayerischen Hundsbuam modernisieren die Klänge ihrer Heimat

Von Bertold Brecht stammt die Feststellung, das Volk sei nicht “tümlich”. Ist ja auch kein schönes Wort, denn es klingt verdächtig nach “dümmlich”. Allerdings: bei den Schunkel-Horrorshows im Musikantenstadl ist das Dargebotene “tümlich” bis die Lederhosenschwarte kracht und hat mit echter Volksmusik nichts zu tun. Nicht nur die Traditionalisten wenden sich mit Grausen.
Auch eine Band wie die Hundsbuam gehört dort nicht hin, Tuba hin, Alphorn her. Die fünf aus allen möglichen Ecken Bayerns spielen zwar auch Landler und bedienen sich aus dem alpenländischen Melodiefundus. Doch wer versucht, dazu bierselig hin und her zu schunkeln, bei dem bekommt der Gamsbart schnell Haarausfall wegen all der krummen Rhythmen, ungeraden Takten, der fiesen Zwiefachen und der Moik-feindlichen Melodien.
Bei ihrem heftigen “Hoizhakka Pogo” brennt die Scheune lichterloh, und wenn sie zum “Oimdudla” bitten, dann wird nicht harmlos gedudelt, sondern virtuos musiziert. Was bei ihnen röhrt, ist nicht der Hirsch, sondern die E-Gitarre. Damit stehen die Chancen schlecht, im Radio rauf und runter zu laufen, vom TV ganz zu schweigen. Doch im Frühjahr tauchten die Hundsbuam in einer Schulfunk-Sendung auf - als Beispiel für lebendige Volksmusik. “Das ist das erste Mal, dass das so festgehalten wurde”, freut sich Sänger Streitbichi Michi. Da wollten er und seine vier Mitmusikanten hin.
Nach ihrem Selbstverständnis versuchen sie, die traditionelle Musik des
(Bayern-)Volkes mit modernen Mitteln weiterzuentwickeln. “Wir müssen uns auf unsere eigene Musikkultur besinnen”, sagt Streitbichi Michi. Vorbild ist Irland, wo Junge und Alte mit gleicher Begeisterung die überlieferten Lieder singen. Doch in den rund elf Jahren, die die Hundsbuam mit einem gewissen missionarischen Eifer unterwegs sind, hat es nicht recht geklappt, die Generationen gemeinsam vor die Bühne zu holen, räumt Streitbichi Michi ein.
Macht nichts, dafür gibt es ein treues Publikum, das nicht immer nur Haindling und Hubert von Goisern hören mag, sondern auch Lust auf die etwas derberen Hundsbuam hat. Früher verstörten sie die Zuhörer gerne mit wüster Lautstärke, jetzt geht es etwas gemäßigter zu. Die soeben erschienene dritte CD Hoam (Lawine/BMG) enthält deutlich mehr Heimaterde als der Vorgänger Hui. Die Hundsbuam haben sich diesmal stärker an traditionellen Klängen orientiert, ohne sich auch nur in die Nähe des Musikantenstadls zu verirren. Die Stücke haben sich ihre Widerborstigkeit bewahrt und die Texte sind von gefälliger Landei-Poesie so weit entfernt wie die Zugspitze vom Mond. Allerdings gab es Streitbichi Michi zu denken, dass die neue Nummer “Rutschma” für das ZDF-Sonntagskonzert aufgezeichnet wurde. Die sei durchaus “im Grenzbereich” und “wird uns mit Sicherheit ein paar blaue Schienbeinflecken verursachen, aber des is’ mir wurscht”. Weil: Hund sans scho, de Hundsbuam.
Ronald Hinzpeter/Augsburger Allgemeine 10/03

Gradaus, wild und kantig
“Hundsbuam” bieten alpine Weltmusik in Puchheim

Im Puchheimer Kulturzentrum Puc ein Wirtshaus zu simulieren, ist keine leichte Aufgabe. Die Hundsbuam rockten dafür Landler und Zwiefache, jodelten anarchisch-melancholische Melodien und gaben derbe Lieder zum Besten. “Ungepflegte Volksmusik” nennt die bayerische Gruppe ihre Art der alpinen Weltmusik.
Es dauerte ein paar Lieder lang, bis sich die Zuhörer am Freitag auf diese bodenständige und freiherzige Welt einließen. Doch beim “Schroafachen” folgten dann die meisten der Therapieanweisung des Bandleaders, dem Streitbichi Michi, und ließen dem Urschrei freien Lauf.
Überhaupt fand das Publikum gerade an der rockig urtümlichen Wildheit Gefallen. Da steigern sich Landler ins Infernalische, spielen sich Geige und steirische Harmonika in traditioneller Zweistimmigkeit geradezu in Trance. Moderne Exotik aus dem Alpenland - eine Wiedergeburt der Eingeborenenmusik mit kräftigem Update. dazu sing die Löwäin Traudi, Geigerin und einziger weiblicher Hundsbua - mit Frontmann Streitbichi mal derb-ironische, mal hinterkünftige und nachdenkliche Texte.
Immer wieder bauen die Hundsbuam Volksweisen in ihre Stücke ein. An den weißblauen Grenzen macht ihre Suche nach musikalischem Rohstoff jedoch nicht halt. Erst klingt das Alphorn wie das Didgeridoo der Aborigines, dann dudeln die Fünf rasant dahin wie ein mehrfach geklonter Zigeunerprimus in der ungarischen Tiefebene. Trotzdem: Alles bleibt geradeaus bayerisch und voller alpenländischem Freiheitsdrang. Nicht alle Bandmitglieder haben ihre Wurzeln in der Volksmusik so wie der Bassist, der Oxnhart Peter. Der Streitbichi Michi wurde erst auf einer Bauernhochzeit vom Rocker zum Anarcho-Volksmusikanten bekehrt. Seitdem ist er als kreativer Kopf der Gruppe schonungslos auf der Suche nach den bleibenden Werten bayerisch-alpiner Musiktradition.
Mit einem Dutzend von Instrumenten bringen die fünf Musiker ihr kantiges Heimatgefühl zum Klingen. Der Niederbayer Hare Fleischhauer rollt mit Blasinstrumenten verschiedenster Größe einen Klangteppich vom Defiliermarsch bis Haindling aus. E-Gitarre und Harmonika (Streitbichi Michi) erinnern an Hubert von Goisern - ganz ohne Vorbilder geht es auch bei den Hundsbuam nicht. Das Schlagzeug (Baron Edinger) sorgt für Beats irgendwo zwischen Swing, HipHop und Hardrock. Zusammen lassen sie es einfach krachen, ganz ohne Krachlederne und Volksmusikpfleger. Einfach nur zwecks der Wirtshausstimmung. “Alle, die koan Schneid hamm, die schwimmen mit’m Strom”, singen sie am Ende des Abends. Dieser sture Eigensinn kommt an und beschert Band und Publikum wohlverdiente Zugaben.